Geschichte

Gruppen aus ganz Europa

In den fünfziger Jahren war der Wunsch nach einem friedlichen Europa und der Integration Deutschlands ungemein größer. Die großen Machtblöcke „Ost“ und „West“ hatten sich noch nicht etabliert, wie wir es in den darauffolgenden fast 40 Jahren erleben mussten. Noch gab es die Möglichkeit, eine Gruppe aus Parchim in Mecklenburg und Harsleben im Ostharz in Neustadt als Gäste zu begrüßen. Doch nach 1957 waren alle Bemühungen umsonst, bis 1991 erstmalig wieder die Thüringische Flagge auf dem Neustädter Marktplatz etwas ganz Neues signalisierte. Zwischenzeitlich waren die Bemühungen des Kuratoriums verstärkt, Europa nicht an einer Zonengrenze oder einem westlichen Einflussbereich enden zu lassen. Und man stellte sich den Auftag: „…dass das Ziel der Neustädter Begegnungen und der Auftrag erst erfüllt sei, wenn alle Länder Europas mit einer Gruppe vertreten gewesen waren.“ Und so kam es, dass im Jahre 1955 erstmals eine jugoslawische Gruppe aus Belgrad nach Neustadt reisen konnte. Wie erstaunt war damals das Auswärtige Amt in Bonn, dass hierzu das Kuratorium keine Genehmigung eingeholt hatte und dass es trotzdem so einfach und unbürokratisch gelungen war, derartige Verbindungen über diese Grenzen hinweg zu schaffen. Wenn zunächst auch noch etwas zurückhaltend, gewannen diese jungen Jugoslawen schnell die Herzen der Neustädter und der vielen tausend Zuschauer. 1956 folgte aus Ljubljana in Slowenien die Gruppe „France Marolt“, die danach besonders häufig gern gesehener Gast der Neustädter Wochen war. Jede Gruppe war für sich in ihrer Gestaltung und Aussagekraft eine Einheit. Sie alle spiegelten europäische Volks- und Kulturzusammenhänge in zeit- und lebensnahen Formen so sinnvoll wider, dass das Kuratorium als verantwortlicher Träger der Festwochen stets in seiner Auffassung bestärkt wurde, weiterzumachen. Hier bestätigte die Jugend Europas sowohl den westlichen als auch den östlichen Staats- und Gesellschaftsformen, dass das in Jahrhunderten enstandene und gepflegte Volkstum heute noch echtes Fundament staatlichen und zwischenstaatlichen Lebens ist und bleiben wird. Es hat sich heute als unabhängig von politischen Auseinandersetzungen und Systemen ohne Störung behauptet. So gesehen und von den Gruppen auch so empfunden, wird es verständlich, dass die in den nachfolgenden Jahren nach Neustadt kommenden weiteren osteuropäischen Gruppen aus der Tschoslowakei, aus Ungarn, Bulgarien, Polen, Rumänien und, im Jahre 1972, auch aus der UdSSR sowie aus der Türkei und Griechenland sehr schnell guten Kontakt zu der Bevölkerung, insbesondere aber mit allen jeweils anwesenden Gruppen erhielten.